Windkraft und Infraschall: Bayreuther Wissenschaftler deckt Rechenfehler auf

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Windkraft und Infraschall: Bayreuther Wissenschaftler deckt Rechenfehler auf

20.06.2021

Viele Jahre lang wurde eine Studie der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) von Windkraftgegnern als Beleg dafür verwendet, wie "gefährlich" Infraschall-Emissionen von Windrädern und Windparks für Menschen seien.

Der Bayreuther Wissenschaftler Dr. Stefan Holzheu hat mehrmals am Enercon-Windrad am Autobahndreieck Bayreuth/Kulmbach bei Harsdorf nachgemessen - und kam zu völlig anderen Ergebnissen. Er konnte belegen, dass die Annahmen der BGR auf einem eklatanten Rechenfehler beruhen. Letztlich hat sich sogar Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier für den Fehler der ihm unterstellten Behörde - und die dadurch entstandene Verunsicherung bei Anwohnern - entschuldigt. Zuvor hatte die BGR aber immer wieder gemauert, eine Korrektur verweigert und dem Bayreuther Wissenschaftler sogar mit rechtlichen Kosequenzen gedroht.

Die Diskussion um die angebliche Infraschall-Belastung durch Windräder ist so alt wie die ersten Bürgerinitiativen, die gegen deren Ausbau kämpften. Problematisch ist die Diskussion vor allem deshalb, weil die mit einiger Vehemenz vorgetragene pseudowissenschaftliche Argumentation bei vielen Menschen verfängt: "Von den Maschinen gehen Geräusche aus, die kann man nicht hören, aber die machen krank." Solche Warnungen vor unsichtbaren und unhörbaren Gefahren zeigen oftmals Wirkung bei besorgten Anwohnern - "...es könnte ja so sein".

Stefan Holzheu bemüht sich nun schon seit vielen Monaten, die Diskussion zu versachlichen. Er liefert mit wissenschaftlicher Akribie Messungen und Berechnungen und publiziert sie - für Laien verständlich - auf einer eigens eingerichteten Seite. Mit seinen Messungen konnte er unter anderem belegen, wie vielfältig die "Belastungen" durch Infraschall im täglichen Leben sind. Die Emissionen eines Windrads stehen zum Beispiel in keinem Verhältnis zur Infraschall-Belastung, der man bei einer ganz normalen Autofahrt ausgesetzt ist.

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Die Messungen am Harsdofer Windrad waren nicht einfach: Infraschallsignale waren in einiger Entfernung kaum noch zu detektieren. Grafik: Stefan Holzheu

Zudem konnte der Bayreuther Wissenschaftler, der mit seiner Familie in der Nähe des Harsdorfer Windrads lebt, nachweisen, dass die von Windkraftgegnern gern zitierte BGR-Studie von einer angeblichen Infraschall-"Belastung" ausgeht, die vieltausendfach zu hoch berechnet war. Hartnäckig kämpfte er für eine Korrektur der Studie. Aber erst, als nationale Medien begannen, über den wissenschaftlichen Disput zu berichten, lenkte das Bundeswirtschaftsministerium ein und vearlasste die BGR zu einer Überprüfung.

Wer sich in das Thema vertiefen möchte, findet anschauliche Informationen und aktuelle Nachrichten auf der von Stefan Holzheu betreuten Infraschall-Seite des BayCEER unter https://www.bayceer.uni-bayreuth.de/infraschall/?lang=de